Samstag, 30. Januar 2016

Sabine Schoder - Liebe ist was für Idioten wie mich


Sabine Schoders Jugendbuch-Debüt verdient seine Aufmerksamkeit. Die Liebesgeschichte ist zwar nicht neu, aber was die Autorin mit ihrer besonderen Erzählstimme daraus macht, ist sehr beachtenswert! 



Viki Stein ist 17 Jahre alt und wurde bisher vom Leben nicht gerade mit Samthandschuhen angefasst: Die Mutter starb vor 10 Jahren an Lungenkrebs, der Vater trinkt und kümmert sich um nichts, die Wohnung verwahrlost. Kein Wunder, dass Viki sich in der Schule nicht konzentrieren kann und sie die 'Problemchen' ihrer Mitmenschen nicht besonders ernst nehmen kann. Einziger Lichtblick in ihrem Leben: ihre Freundin Melanie. Sie organisiert extra für Viki eine kleine Geburtstagsrunde in einem Club. Doch Viki ist nicht unbedingt auf Feiern aus und als auch noch die Band ihrer Schule, allen voran der Schulschwarm Jay Feretty, dort auftritt, flüchtet sie aus dem Club nach draußen. Ihre Laune ist auf dem Nullpunkt. Doch plötzlich steht Jay neben ihr und die beiden kommen in ein Gespräch....vielleicht ist Jay doch gar nicht so oberflächlich, wie sie immer dachte...oder doch?

Ich muss vor vorne herein zugeben, dass ich solche Liebesgeschichten eigentlich nicht lese. Eigentlich. "Das arme, vom Schicksal geschundene, Mädchen trifft auf den smarten, beliebten Bad Boy, der natürlich etwas zu verbergen hat"...aber Liebe ist was für Idioten wie mich ist zum Glück so ganz anders als das!

Auch ich bin auf dieses Buch durch das Cover aufmerksam geworden. Und hätte ich mich nur durch den Klappentext beeinflussen lassen, hätte ich es wohl nicht gelesen. Aber weil die ersten Stimmen doch recht positiv waren UND weil die Autorin eine deutschsprachige Debütautorin ist, habe ich mir in der Stadtbücherei schließlich die Hörbuch-Variante (gelesen von Sascha Icks) ausgeliehen.

Und: ja, der Plot ist nicht der neueste. Aber:  ich wurde positiv überrascht! Denn wo man auf den allerersten Blick vielleicht eine humorvolle, unterhaltsame Liebesgeschichte vermitteln, so war es genau das nicht. Die Geschichte ist viel ernster, als ich zunächst vermutet hatte. Und ja, es gab Szenen zum Schmunzeln. Aber das lag hauptsächlich daran, dass Protagonistin Viki fließend sarkastisch spricht. Aber man merkt schnell, dass ihr Verhalten nach außen hauptsächlich ein Schutzpanzer gegen so viel Schlechtes in ihrem Leben ist und dass sie sich eigentlich nach Nähe sehnt. 

Aufgrund des sarkastischen Tons und Vikis 'Kratzbürstigkeit' (die natürlich in der Audio-Version durch die markante Stimme von Sascha Icks noch verstärkt wurde) konnte mich die Geschichte an vielen Stellen zwar nicht emotional mitnehmen, aber weil Viki in ihrer Art so authentisch und konsequent war, wollte ich doch zu jedem Zeitpunkt wissen, wie die Geschichte weitergeht. 

Das meiste Lob bekommt jedoch Sabine Schoders Erzählstimme. Wie sie genau den richtigen Ton zwischen einfacher, authentischer, jugendlicher Sprache und neuen metaphorischen Ausdrücken trifft, das ist große Klasse! Ich kann mich nicht erinnern, in den letzten Jahren bei einer deutschsprachigen Autorin so gute Gefühlsbeschreibungen in einem Jugendbuch gelesen zu haben. Deshalb kann ich auch zu hundertprozent verstehen, warum der Fischer Verlag Sabine Schoder als "Entdeckung des Jahres" bezeichnet.

Ein tolles Jugendbuch-Debüt welches definitiv seine Aufmerksamkeit verdient. Der Plot einer derartigen Liebesgeschichte kann zwar nicht neu erfunden werden, aber weil mich Sabine Schoders Stil so begeistert konnte, wurde ich sehr positiv überrascht. Ich bin gespannt, Sabine Schoders Weg als Autorin zu verfolgen und werde ihr nächstes Buch auf jeden Fall zur Hand nehmen!




Liebe ist was für Idioten wie mich

AUTOR Sabine Schoder | GENRE Jugendbuch/Liebesgeschichte
ERSCHEINUNGSJAHR 2015 |
EMPFOHLENES ALTER ab 14

VERLAG Fischer | SEITEN 352 | FORMAT Klappenbroschur

12,99 € [D] | 13,40 € [A]
ISBN: 978-3-7353-0151-8

alle Fotos © The Lines Between

Sonntag, 24. Januar 2016

Meine #GoldenBacklist für 2016

Ihr kennt das bestimmt: Buchgeschenke von Freunden, Mängelexemplartische, Tauschticket & Co......und plötzlich hat man mehr Bücher auf dem SuB*, als einem lieb ist. Dann schaut man sich die Neuerscheinungen an, bekommt Rezensionsexemplare und -zack!- die Buchschätze vom SuB geraten in Vergessenheit...

So oder so ähnlich hat es bestimmt der ein oder andere schon mal erlebt. Und seien wir mal ehrlich: Hättet ihr die Wahl zwischen einem Buch, welches vor 5 Jahren erschienen ist und einem, welches diesen Monat erschienen ist, welches würdet ihr zuerst lesen?

Als Buchblogger entscheidet man sich zunächst natürlich für das neue Exemplar, schließlich wird das auf mehr Aufmerksamkeit und Interesse stoßen. Aber es ist verdammt schade, so zu denken. Denn was macht ein Buch zu einem schlechteren Buch, welches bereits vor 5 Jahren erschienen ist? Wäre es nicht viel spannender, ein Schatzgräber, ein Buchentdecker zu sein und (ab und an) auch mal über Bücher zu sprechen, die gerade fernab von Marketing und Buchhandels-Auslagen ihre Aufmerksamkeit verdienen?




Deshalb freue ich mich sehr, dass Simone von Papiergeflüster für 2016 die #GoldenBacklist-Challenge ins Leben gerufen hat. Die Idee bzw. die Aufgabe: Man schnappt sich ein Buch von der Backlist, welches bereits vor mindestens 5 Jahren erschienen ist und widmet diesem Buch einen eigenen Blogbeitrag / eine Rezension. Ob ihr dabei ein Buch von eurem SuB schnappt, oder euch ganz bewusst im Buchladen für einen Backlist-Titel und nicht für die 'frische Auslage' entscheidet, bleibt natürlich euch überlassen!

Auf meinem gesamten Stapel der ungelesenen Bücher finden sich freilich einige viele Bücher, die bereits vor 5 Jahren erschienen sind. Zunächst dachte ich, dass sich auf meinem Reise-SuB (ich wohne gerade zur Zwischenmiete, mein Großteil der Bücher überwintert in einem Keller in Mitteldeutschland....) gar nicht so viele Bücher befinden, die sich für diese Aktion eignen. Doch falsch gedacht! Oben seht ihr jene Bücher, die ich mir für die Challenge herausgesucht habe. Hier liste ich sie für euch noch einmal mit Erscheinungsdatum auf.

Stefanie Harjes - Kafka (2010)
Lydia Daher - Kein Tamtam für diesen Tag (2008)
Patricia Duncker - Die Germanistin (1997) 
Régis de Sá Moreira - Das geheime Leben der Bücher (2005) 
Kathrin Röggla - Wir schlafen nicht (2004)
Anthony McCarten - Superhero (2007)
Jostein Gaarder - Das Kartengeheimnis (1995)
Katja Kullmann - Echtleben (2011)


Nehmt ihr an der Aktion teil? Wann habt ihr das letzte Mal ein älteres Buch gelesen? Wann habt ihr das letzte Mal in der Buchhandlung einen Backlist-Titel gekauft? Ich freue mich auf eure Antworten!


*Stapel ungelesener Bücher

Mittwoch, 20. Januar 2016

Das Jahr des Taschenbuchs: Mein Buchkauf im Januar [#jdtb16]


Die ersten zwei Wochen des neuen Jahres habe ich noch brav einen Bogen um die Lieblingsbuchhandlung gemacht, aber letzten Freitag konnte ich dann nicht mehr widerstehen. Und außerdem hatte ich natürlich eh vor, mir mein Januarbuch für Das Jahr des Taschenbuchs zu kaufen!



...und ja, natürlich ist es mehr als eines geworden! Das Haus am Himmelsrand hatte mich bereits in den Dezember-Neuerscheinungen sehr neugierig gemacht. Und als ich das Buch dann in Petzis Instagram-Feed wiederentdeckte, und sie es mochte, wusste ich, dass ich dieses Buch lesen möchte. 

 Lizzy Tanner hat alles, was man sich wünschen kann: eine süße Tochter, einen liebevollen Mann und finanzielle Sicherheit. Doch dann richtet der sterbende Großvater eine letzte Bitte an Lizzy: Finde die Wahrheit heraus! Sorge für Gerechtigkeit! Lizzy beschließt, sein Geheimnis zu ergründen. Ihre Recherchen führen sie in der Familiengeschichte zurück bis in die 1930er Jahre, und bald muss sie sich entscheiden zwischen Wahrheit und Rücksichtnahme, zwischen dem guten Ruf der Familie und dem, was sie für richtig hält. 

(Klappentext; Quelle: www.berlingverlag.de)


Als ich ein kleiner Junge war ist das erste Buch für meine #16für2016 Autoren-Challenge. Es war zwar nicht geplant, mit einem autobiografischen Text anzufangen, aber dieses Buch/dieser Autor war der erste im Laden, den ich von meiner Liste entdeckte. Und ich hatte sofort richtig Lust auf das Buch!

 »Die Monate haben es eilig. Die Jahre haben es eiliger. Und die Jahrzehnte haben es am eiligsten. Nur die Erinnerungen haben Geduld mit uns. Besonders dann, wenn wir mit ihnen Geduld haben«, schreibt Erich Kästner in seinem Nachwort zu seinen Kindheitserinnerungen ›Als ich ein kleiner Junge war‹. Kästner, 1899 in Dresden geboren, erzählt von den Jahren 1907 bis 1914 in seiner Heimatstadt, aber auch sehr anschaulich von der Kindheit seiner Eltern und seiner Großeltern.

(Klappentext; Quelle: www.dtv.de)



Ein neues Buch, ein älteres Buch. Beide ganz unterschiedlich, aber optisch sehr stimmig. So kann das Jahr des Taschenbuchs definitiv weitergehen. Jetzt gilt nur noch eines: Die Bücher natürlich auch möglichst bald lesen!


'Das Jahr des Taschenbuchs' ist eine gemeinsame Aktion von Kielfeder & Die Liebe zu den Büchern, um wieder mehr Aufmerksamkeit und Begeisterung für Taschenbücher zu bewirken. Jeden Monat (im Zeitraum des Jahres 2016) soll mindestens 1 Taschenbuch gekauft und darüber im Blog berichtet werden.




Sonntag, 17. Januar 2016

Sonntagszeilen #1 || 2016


Heute gibt's die ersten Sonntagszeilen für 2016! Nachdem die ersten Arbeitstage des neuen Jahres wie immer relativ turbulent verliefen, und ich die ersten zwei Wochen des Januars meistens damit beschäftigt bin, mich und meine Gedanken zu sortieren und mich aus der Feiertagsentspannung wieder wachzurütteln (kennt ihr das?), gibt's nun am dritten Sonntag des Jahres endlich ein paar buchige Updates für euch. Wer noch regelmäßiger etwas von mir & meinen Büchern mitbekommen will, dem empfehle ich natürlich gern meinen Instagram-Account ;-)



Die ersten beiden Neuzugänge des neuen Jahres sind gleichzeitig mein Januarkauf für Das Jahr des Taschenbuchs. Deshalb hier keine weiteren Worte dazu, denn warum genau diese beiden Bücher mitdurften, erzähle ich euch in der kommenden Woche in einem eigenen Blogpost!  Mal sehen, ob es bei diesen beiden Neuzugängen für Januar bleibt ☺



Nox. Anderswo ist der zweite Teil der dystopischen Nox-Dilogie von Yves Grevet. Eine spannende Fortsetzung, die sich auf gesellschaftliche Themen konzentriert und angenehmerweise mal ohne das typische Liebesdreieck auskommt.
Trotz der Kürze der Septembernovelle wird der Leser hier auf tiefgründige Weise mit den großen Themen des Lebens konfrontiert. Kein Buch für zwischendurch, aber aufgrund Bargums besonderem Erzählton eine sehr lohnenswerte Lektüre. 



Liebe ist was für Idioten wie mich ist das erste Hörbuch, welches ich 2016 beendet habe. Wie wahrscheinlich bei den meisten hat auch mich das besondere Cover sehr neugierig gemacht. Für mich war dieses Jugendbuch eine sehr positive Überraschung, auch wenn ich im Nachhinein sagen muss, dass das Cover nicht unbedingt zum Inhalt passt.


Der Tag, an dem ein Wal durch London schwamm ist ein ganz besonderer Roman der finnischen Autorin Selja Ahava. Bis zur Hälfte war ich vom Schreibstil begeistert, von der Handlung noch nicht so ganz, aber dann gab es ein Ereignis, welches mich sehr berührt hat und nun kann ich es kaum erwarten, heute abend die letzten 50 Seiten zu lesen. 

Mein zweites Hörbuch für dieses Jahr ist Tote Mädchen lügen nicht von Jay Asher. So lange nehme ich mir schon vor, dieses Buch endlich zu lesen. Aber immer hatten andere Printbücher Vorrang. Nun habe ich mir die Audio-Version aus der Bücherei ausgeliehen. Und was soll ich sagen? Beste Entscheidung! Hätte ich ja auch selbst dran denken können, dass man eine Geschichte, in der es um Kassetten geht, auch sehr gut hören kann...



Sandy von Nightingale's Blog veranstaltet ab dem 14. Februar wieder eine einjährige Challenge für alle Liebhaber von englischen Büchern. Wer also Lust hat, wieder mehr auf Englisch zu lesen oder gerne Austausch in der Richtung sucht, der ist bei dieser Challenge genau richtig aufgehoben! Vielleicht werde ich auch noch teilnehmen, anmelden könnt ihr euch bis zum 13.2.16. (Quelle der Grafik: http://nightingale-blog.net // http://www.freepik.com)


Die Stiftung Buchkunst prämiert auch in diesem Jahr wieder die schönsten deutschen Bücher. Noch bis zum 31. März können auch Privatpersonen ihre persönlichen Favoriten einreichen. Ihr habt in letzter Zeit ein Buch in der Hand gehabt, welches euch von der Gestaltung, der Verarbeitung oder vom Konzept her begeistert hat? Dann flink zum Online-Formular!



"Lit 21" ist ein neues Projekt des bekannten Online-Kulturmagazins Perlentaucher. Die Idee dieses Blogs ist es, "den Feed von literarisch relevanten Blogs, Zeitungsadressen und anderen Quellen deutscher Sprache" zu bündeln. Ich bin sehr gespannt, wie sich das Projekt entwickeln wird!


Habt ihr dieses Wochenende ein neues Buch begonnen? Oder eines beendet? Ich wünsche euch einen guten Start in die neue Woche!

 

Samstag, 16. Januar 2016

Yves Grevet - Nox. Anderswo

NOX. Anderswo ist der zweite und abschließende Band einer außergewöhnlichen Dystopie von Yves Grevet, die sich durch den Fokus auf gesellschaftliche Problematiken und authentisches Worldbuilding wieder mehr auf die Ursprünge des Genres konzentriert und Abstand von den immer gleichen Liebesdreiecks-Geschichten nimmt.



Früher waren Lucen und Gerges die besten Freunde. Gemeinsam haben sie in der Unterstadt gewohnt, in die nie das Sonnenlicht dringt, weil die NOX, eine dichte Wolke aus Abgasen und Schmutz, alles verdunkelt. Doch nun ist Gerges Mutter bei einem Attentat getötet worden und Lucen wird verdächtigt, dahinter zu stecken. Jetzt denkt Gerges nur noch an eines: Rache an seinem ehemals besten Freund. Lucen wird schließlich zu Zwangsarbeit in den verseuchten Wäldern verurteilt wird, doch als ihm die Flucht gelingt, steigert sich Gerges Rachsucht immer weiter. Wird Lucen seine Freundin Firmie wiederfinden, während Gerges und die Miliz hinter ihnen her ist? Und welche Rolle wird Ludmilla, das reiche Mädchen aus der Oberstadt, spielen? Wird sie Lucen erneut helfen, oder werden ihre geheimen Pläne schließlich doch durch ihren mächtigen Vater durchkreuzt?


Inhaltlich setzt die Geschichte direkt da an, wo der erste Band, NOX. Unten endet. Der Wiedereinstieg in die Handlung wurde dem Leser noch dazu dadurch erleichtert, dass sich am Anfang des Buches eine einseitige Zusammenfassung der Ereignisse aus Band 1 befindet - eine tolle Idee des Verlags. Gerade bei Reihenfortsetzungen würde ich mir öfter wünschen, derartige kurze Zusammenfassungen zu finden.

Yves Grevet führt die einzelnen Handlungsstränge aus Band 1 konsequent fort, wobei es sehr interessant zu beobachten ist, wie ganz subtil Veränderungen in der Unter- und Oberstadt eintreten. Grundsätzlich ist die Handlung hier im zweiten Band deutlich komplexer als im ersten, aber Yves Grevet schafft es meisterhaft, den Leser niemals mit zu vielen Informationen zu überhäufen.



Die multiperspektivische Erzählhaltung funktioniert besser als in Band 1, obwohl durch Firmie noch ein weiterer Charakter hinzugekommen ist, der Teile der Geschichte erzählt. Während im ersten Band durch die Erzählweise Wiederholungen auftraten, sind hier die einzelnen Teile klüger ineinander verschachtelt. Dadurch bleibt man als Leser konsequent neugierig, wie es weitergeht. Trotzdem muss man natürlich einräumen, dass aufgrund der verschiedenen Handlungsstränge die Spannung hier nicht auf ein derart hohes Level getrieben werden kann, wie das bei anderen Dystopien  manchmal der Fall ist.

Die NOX-Dilogie besticht dadurch, dass es sich auf Grundelement der Dystopie konzentriert, eine Welt voll Unterdrückung, Lügen und Intrigen zu zeigen und wie daraus dennoch Hoffnung keimt. Ich war froh, dass mal keine (kitschige) Liebesgeschichte im Vordergrund stand. Dennoch werden hier natürlich Schicksale gezeigt, die den Leser bewegen und das ein oder andere Mal ging es ganz schön brutal zu. Im Großen und Ganzen hätte ich mir aber doch etwas mehr 'Gefühl' gewünscht, manchmal bleibt man als Leser zu sehr Beobachter.



Der einzige größere Kritikpunkt betrifft den Gesamtaufbau der Geschichte. Während in den ersten 70% alles sehr ausführlich und detailliert beschrieben wird, so tauchen später doch ein paar Zufälle zu viel auf und das Ende wurde dann sehr gerafft dargestellt (was natürlich beabsichtigt gewesen sein kann, um zu verdeutlichen, dass es keinen weiteren Band geben wird). Ein bisschen wirkte es auf mich aber so, als hätte der Autor am Anfang des zweiten Bandes noch vorgehabt, auch einen dritten Band zu schreiben...

NOX.Unten und Nox. Anderswo bilden zusammen eine herausragende Dystopie im Jugendbuchbereich. Yves Grevet legt Wert auf die klassischen Elemente einer Dystopie: eine detailliert beschriebene zweigeteilte Welt, die Auswirkungen willkürlicher Machtdemonstration, rebellische Tendenzen. Grevets eher nüchterner Stil führt aber dazu, dass der Leser relativ wenig emotional involviert wird, trotz der Schicksalsschläge der Protagonisten. Ich persönlich konnte leicht darüber hinwegsehen, denn ich war froh, endlich mal wieder eine Dystopie zu lesen, in der keine übertriebene Liebesgeschichte im Vordergrund steht. Daher mein Gesamtfazit: Yves Grevet hat eine anspruchsvolle Dystopie für Jugendliche geschrieben, die erfrischend unamerikanisch daherkommt! Sehr lesenswert!


NOX. Anderswo

AUTOR Yves Grevet | GENRE Jugendbuch/Dystopie
ERSCHEINUNGSJAHR 2015 |
EMPFOHLENES ALTER 14 - 17 Jahre

VERLAG dtv Reihe Hanser | SEITEN 332 | FORMAT Broschur

14,95 € [D] | 15,40 € [A]
ISBN: 978-3-423-65017-5 

alle Fotos © The Lines Between

Montag, 11. Januar 2016

Meine Autoren-Challenge #16für2016

Wie schon in meinem Jahresrückblick für 2015 erwähnt, sind Lese-Challenges eigentlich nichts für mich. Warum ich jetzt doch noch mal ganz spontan selbst eine Challenge ins Leben rufe? Lest selbst!




 Dass Challenges nichts für mich sind, beziehe ich nämlich auf jene, die einem zu detailliert vorschreiben, was man zu lesen hat (Lies ein Buch mit einem Tier auf dem Cover / Lies das Buch eines Autoren, dessen Nachname mit M beginnt / etc.) Da ergibt sich für mich einfach kein Mehrwert.

Allerdings habe ich im letzten Jahr auch gelernt, dass ich - sofern ich mir lesetechnisch gar keine Vorsätze mache - bei altbekannten Genres und Autoren hängenbleibe und mich auch nicht unbedingt intensiv mit der Lektüre auseinandersetze oder meinen Horizont erweitere, wie man so schön sagt.


Deshalb möchte ich für 2016 eine Autoren-Challenge starten, die unter dem Titel #16für2016 laufen wird. Worum gehts genau?


16 neue Autoren für sich entdecken

Es geht mir darum, sich in den kommenden 12 Monaten mit 16 Autoren zu beschäftigen, von denen man bisher noch kein (vollständiges) Werk gelesen hat. Zusätzlich über das entsprechende Werk hinaus möchte ich mich auch mit dem biographischen Hintergrund des jeweiligen Autoren beschäftigen. (Nein, nicht über Wikipedia). Ich möchte mir selbst keine Rezensionspflicht aufbürden, aber ich möchte gern zumindest für jeden Autoren einen Blogpost verfassen (Warum genau diese/r Autor/in? Warum dieses Buch? Wie war das Leseerlebnis? Habe ich etwas Spannendes über die Biografie gelernt? Möchte ich in naher/ferner Zukunft ein weiteres Buch des Autors / der Autorin lesen?)


Wie habe ich meine 16 Autoren ausgewählt?


Ich habe Anglistik und Germanistik studiert, und doch sind mir einige Autoren durch die Lappen gegangen bzw. war in Seminaren nur Zeit, Fragmente von Werken zu lesen. Deshalb habe ich meine Autorenliste in vier Kategorien geteilt: USA/Kanada, Großbritannien, Deutschland und "Gegenwarts-Mix". Zusätzlich habe ich darauf geachtet, männliche und weibliche Autoren im gleichen Verhältnis auszuwählen. Welchen Titel ich jeweils lesen möchte, werde ich mir spontan Monat für Monat überlegen :) Falls ihr mitmachen möchtet, könnt ihr euch natürlich ganz andere Kategorien oder Gruppierungen wählen - nur 16 Autoren sollten es dann am Ende sein ;-)



Meine Autorenliste #16für2016


USA/Kanada
Margaret Atwood
Sylvia Plath
Ernest Hemingway
F. Scott Fitzgerald

Großbritannien
Jane Austen
Emily Brontë
Roald Dahl
Charles Dickens

Deutschland
Ingeborg Bachmann
Christa Wolf
Erich Kästner
Hermann Hesse

Gegenwarts-Mix
Zadie Smith
Rainbow Rowell
Salman Rushdie
Guillaume Musso


Falls jemand Lust hat, mitzumachen: Es besteht, wie gesagt, keine Pflicht zur Rezension, aber ich würde mich natürlich grundsätzlich über Austausch hier oder auch über Instragram (@caraelea) freuen. Sehr gern dürft ihr mir auch Tipps für die jeweiligen Autoren da lassen!


Samstag, 9. Januar 2016

Mein Bücherjahr 2015


2015 war definitiv wieder ein besseres Bücherjahr als die Jahre zuvor und mit meinen 62 gelesenen Büchern bin ich doch recht zufrieden (mindestens 52 Bücher waren mein Ziel).  Müsste ich mein Jahr in ein paar Worten zusammenfassen, so könnte ich es wohl ohne Zweifel 'Das Jahr des Hörbuchs' nennen. Durch längere Pendelzeiten und den Arbeitsalltag hatte ich doch weniger Zeit für Printbücher als gedacht, aber zum Glück habe ich endlich eine Liebe zum Medium Hörbuch entwickelt und konnte wohl auch nur deshalb mein Leseziel für 2015 überhaupt erreichen! Aufgeteilt in die verschiedenen Medien sah mein Bücherjahr wie folgt aus:


  43  Printbücher 
19   Hörbücher

Erstaunlicherweise habe ich genau wie im letzten Sommer eine kleine ungewollte Lesepause eingelegt. Obwohl ich das ganze Jahr über Lust aufs Lesen hatte, scheint mein Kopf im Sommer ein bisschen Urlaub vom Bücherwahnsinn machen zu wollen. Die Bücherverteilung aufs Jahr gesehen sah nämlich wie folgt aus:


Wie immer ging das Jahr relativ gut los und endete sehr positiv. Die Sommermonate sollen 2016 auf jeden Fall leseintensiver werden! Insgesamt befinden sich meine Lesehighlights 2015 fast alle in der zweiten Jahreshälfte.
Betrachtet man die Genreverteilung, fällt auf: Auch die Graphic Novels und Bilderbücher hatten dieses Jahr einen gewissen Stellenwert bei mir. Insgesamt möchte ich diesen Stellenwert beibehalten, möchte aber gleichzeitig wieder mehr Zeit für die anspruchsvolle Belletristik finden.



 
Da ich dieses Jahr wirklich wenige Rezensionen geschrieben habe, folgt eine kleine Buchparade, um euch noch ein paar meiner gelesenen Bücher näher vorzustellen:


(Wenn ihr auf den Buchtitel klickt, führt euch das zur jeweiligen Verlagsseite)


Mein liebstes Buch in 2015: Teo

(dtv Literatur)



Teo hat mich dieses Jahr am meisten begeistert. Lorena Gentiles Debüt über einen kleinen klugen Jungen hat mich von der ersten Seite an fasziniert. Eine berührende Geschichte, frei von jeglichem Kitsch und mit soviel Weisheit, die ganz leise daher kommt. Auf dem Buchumschlag steht Ein kleines Buch über die großen Dinge des Lebens und ich könnte keine bessere Zusammenfassung für diesen Schatz finden.


Meine größte Überraschung in 2015: Das Rosie-Projekt

(Fischer Krüger / argon Hörbuch)


Als ich mir Das Rosie-Projekt als Hörbuch aus der Bücherei ausgeliehen hab, wusste ich zwar, dass es ein Bestseller ist, aber nach diesem Kriterium gehe ich ja nie. Erste CD eingelegt und zack! ich war begeistert. Manchmal lohnt es sich eben doch, mit kaum Infos an ein Buch heranzugehen. Don Tillman ist der ungewöhnlichste und gleichzeitig liebenswerteste Protagonist, der mir seit langem untergekommen ist.


...und leider die größte Enttäuschung: Von der Nacht verzaubert
 
(Loewe)


Ja, auch mich hat dieses Cover durchaus angesprochen. Und die Idee dieses Jugendbuchs von Amy Plum ist gar nicht mal schlecht. Aber die Umsetzung? Nun ja. Wer All Age schreiben will, darf sich solche Schnitzer in der Charakterführung nicht erlauben. Zudem: zuviel Kitsch und zu wenig Handlung. Warum ist dieses Buch (gerade auch älteren Bloggern) so beliebt? Meine Rezension: Klick!


(Arche / GoyaLIT)


Eigentlich mag ich Menschen auf Covern nicht so sonderlich. Und eigentlich ist dieses Cover auch nicht "schön", oder? Wenn man allerdings die Geschichte liest und feststellt, wie unglaublich genau das Mädchen auf dem Cover der kleinen Carmel in der Geschichte entspricht...wow! Zudem spielen die Farben rot und blau in der Geschichte auch eine gewisse Rolle. Also definitiv alles richtig gemacht, lieber Arche Verlag!


Der beste Titel: 8 Wochen verrückt

(Piper / Steinbach Sprechende Bücher)


Mit einem anderen Titel hätte ich wohl nicht zu diesem Buch gegriffen. Erfahrungsberichte über Krankheiten sind nämlich nicht unbedingt mein favorisierter Lesegeschmack. Aber dieser Titel hat mich dann doch neugierig gemacht - und mich schließlich sehr berührt zurück gelassen. Am Ende möchte man die Autorin ein mal ganz lang und ganz fest in den Arm nehmen. Werde ich mir definitiv bald ein zweites Mal anhören!


Die liebsten Charaktere: Gordon & Tapir

(esslinger)


Bei den Charakteren musste ich dieses Jahr ein bisschen grübeln. Ich hätte Teo nennen können (s.o.), oder etwa Don Tillmann aus dem Rosie-Projekt. Aber ich wollte kein Buch doppelt nennen. Deshalb gibt's in dieser Kategorie diesmal zwei Bilderbuch-Charaktere. Denn wenn ein pingelinger Pinguin (Gordon) und ein trotteliges Tapir zusammen in einer WG wohnen, dann kann das ja nur ein großes Abenteuer werden. Herzerwärmend-lustige Freundschaftsgeschichte ab 4 Jahren.

...und wie gehts 2016 weiter?

Meine Leseziele für 2016:

Schaue ich mir meinen Blogpost über meine Leseziele & Buchchallenges 2015 an, so muss ich ein bisschen schmunzeln. Bis auf die Anzahl der Bücher und das Vorhaben, möglichst breitgefächert zu lesen, habe ich nichts davon verfolgt. Die Buchtitel-Challenge ('What's in a Name 2015) habe ich zwar geschafft, allerdings mehr durch Zufall und ohne ein einziges Update dazu zu verfassen...

Meine Konsequenz, die ich für 2016 daraus ziehe: Buch-Challenges, in denen einem mehr oder weniger genau vorgeschrieben wird, was zu lesen ist, sind nichts für mich. Bis jetzt habe ich geglaubt, dass ich dadurch die Anzahl meiner gelesenen Bücher steigern kann, aber das stimmt nicht. 

Wichtig ist mir für 2016 also nur, wieder möglichst breitgefächert zu lesen, was Autoren, Genres und Themen angeht. Ich möchte hier allerdings nicht schon im Voraus einen Fokus festlegen, sondern möglichst zu verschiedenen Büchern vom Stapel meiner ungelesenen  Bücher greifen! Es wird gelesen, was interessiert und was Spaß macht. Egal ob auf Deutsch oder auf Englisch, egal ob als Print, E-Book oder Hörbuch, egal ob Schmöker oder Bilderbuch!

"Lese-Aktionen" 2016

Auch wenn ich gerade geschrieben habe, dass Challenges nicht unbedingt etwas für mich sind, so gibt es doch drei Vorhaben, die ich dieses Jahr verfolgen möchte:


Petzi von Die Liebe zu den Büchern und Ramona von Kielfeder haben sich gemeinsam diese Aktion ausgedacht, um wieder mehr Aufmerksamkeit für Taschenbücher zu schaffen. Pro Monat kauft man (mindestens) ein Taschenbuch, egal ob Neuerscheinung oder Backlisttitel und schreibt auf dem Blog einen kleinen Beitrag zu dem gekauften Titel, warum man sich diesen Titel ausgesucht hat, worum es in dem Buch geht...etc. Wer mitmacht, nutzt den Hashtag #jdtb16




Schon Ende letzten Jahres hatte ich mir für 2016 vorgenommen, mich wieder mehr auf den SuB und auf spannende Backlist-Titel zu konzentrieren. Perfekt also, dass Simone von Papiergeflüster genau passend dazu für 2016 eine Aktion ins Leben gerufen hat: die #GoldenBacklist Challenge. Worum gehts? Das 'Literarische Haltbarkeitsdatum' von Büchern wird bekanntlicherweise immer kürzer und viele Titel bekommen dadurch nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. Lasst uns also Schatzgräber sein und auf unseren Blogs Bücher vorstellen, die schon ein paar Jahre (laut Challenge: mindestens 5) auf dem Buckel haben!



Mein drittes Vorhaben ist eine Autoren-Challenge, die ich mir selbst ausgedacht habe und die ich unter das Motto #16für2016 gestellt habe. Was es damit genau auf sich hat, könnt ihr hier in den nächsten Tagen auf dem Blog nachlesen! Edit: Blogpost zu dieser Challenge ist online: Klickklick!



Wie lautet euer literarisches Fazit für 2015? 


Die Rechte für die Cover liegen bei den genannten Verlagen.