Dienstag, 28. Dezember 2010

Anne B. Ragde - Das Lügenhaus



AUTOR Anne B. Ragde | GENRE  Belletristik
ERSCHEINUNGSJAHR (norw.) 2004 | SPRACHE Deutsch
VERLAG btb | SEITEN 480 | PREIS 9,99€
Inhalt:
Die Neshovs leben abgeschieden auf einer alten Farm in der Nähe von Trondheim, Norwegen. Anna Neshov und ihr Mann haben drei erwachsene Söhne, aber nur der älteste, Tor (55 Jahre alt), lebt noch bei ihnen und versucht, den Betrieb der Farm aufrecht zu erhalten, indem er eine kleine Schweinezucht betreibt. Doch die Arbeit ist mühsam und bringt nicht genug Erträge.
Tors Bruder Margido, 52 Jahre alt, lebt zwar nicht weit weg von der Farm, wo er ein Bestattungsunternehmen leitet. Aber er hat aber keinen guten Kontakt zu seiner Familie mehr.
Der jüngste, der 40-jährige Erlend, qilt als Querschläger. Er ist homosexuell und lebt schon viele Jahre mit seinem Partner in Kopenhagen, wo er als Schaufensterdekorateur arbeitet. Die Familie hat sich eigentlich nicht mehr viel zu sagen, und jeder lebt vor sich hin. Doch dann passiert etwas, dass alles durcheinander bringt...


Rezension:
Dieses Geschichte ist ein Familiendrama, das sich sehr langsam entfaltet. Ragde nimmt sich Zeit für die Schilderung der Brüder-Charaktere und legt Wert auf details (show don't tell!). Es passiert nicht unbedingt viel in dieser Geschichte und gerade die erste Hälfte des Buches birgt nicht viel Spannendes. Hat man allerdings erst einmal die Charaktere kennen gelernt, liest sich das Buch sehr schnell. Das Konstrukt aus Geheimnissen und Lügen ist sehr ausgeklügelt, aber nicht aufdringlich oder offensichtlich. Radge zeigt hier verschiedene Menschen, die sich nicht unbedingt menschlich verhalten, die aber trotzdem auf Menschlichkeit hoffen.


Fazit:
Ein modernes Familiendrama, welches besonders durch gute Charaktere und Details glänzt. 
Anmerkung:
Achtung! Wer das Buch lesen möchte: NICHT DEN KLAPPENTEXT LESEN! Der verrät nämlich meiner Meinugn nach leider zu viel.
Dieses Buch ist der Beginn einer Trilogie, die mittlerweile komplett ins Deutsche übersetzt wurde, der erste Teil hat aber kein offenes Ende:


Das Lügenhaus     Einsiedlerkrebse      Hitzewelle



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ANGABEN DES VERLAGES (btb)

Originaltitel: Berlinerpoplene
Originalverlag: Aschehoug
Aus dem Norwegischen von 
Gabriele Haefs 
Taschenbuch, Leinen, 480 Seiten9,0 x 15,0 cm
mit Lesebändchen
ISBN: 978-3-442-74168-7
€ 9,99 [D] € 10,30 [A] CHF 16,90*

Coverbild entstammt der Verlagsseite

David Wagner - Vier Äpfel




AUTOR David Wagner | GENRE Gegenwartsliteratur
ERSCHEINUNGSJAHR 2009 | SPRACHE Deutsch
VERLAG rowohlt / rororo | SEITEN 160 | PREIS 8,99 € (Taschenbuch)

INHALT
Der Inhalt dieses Buches ist eigentlich ziemlich schnell erlärt: ein Mann, wohl Ende 30, geht in einem Supermarkt einkaufen. Sprich, er betritt den Supermarkt zu Anfang des Buches, tätigt seinen Einkauf und verlässt den Supermarkt zu Ende des Buches. Damit hat David Wagner es geschafft, eine Tätigkeit, die wohl in Realität 20-30 Minuten dauert auf 160 Seiten Papier zu bannen.
Natürlich ist das ganze nicht so trivial, wie es nach dieser Einleitung erscheint. Der Protagonist steuert als erstes das Obst- und Gemüseregal an und sucht sich vier Äpfel aus. Er wiegt die Äpfel und siehe da - die vier Äpfel wiegen zusammen genau 1000 Gramm. Der namenlose Protagonist sieht dies als Anlass, seinen eigenen Einkauf zu reflektieren und aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Er philosophiert über Lebensmittel und stellt Fragen an sich und den Leser. Wie viele Kühe sind an einem Liter Milch beteiligt? Warum gibt es Spinat nur in Ziegelsteinform? Und warum gibt es im Supermarkt nie die tollen Dosen-Pyramiden aus der Werbung?
Ein spannender, nachdenklicher und außergewöhnlicher Einkauf, der uns zeigt, wie eng Lebensmittel mit unserem Leben verknüpft sind.


REZENSION
Ein Buch, welches vielleicht eine Mischung aus Roman und Sachbuch darstellt. Wagner mischt Elemente des Erzählens mit Fakten, die er teils im Text, teils durch Fußnoten einstreut. Interessant ist natürlich besonders, dass hier das eher seltene zeitdehnende Erzählen vorliegt. Das Buch ist dennoch sehr einfach zu lesen. Das Schriftbild ist recht groß und jedes Kapitel behandelt eine neue Art Lebensmittel. Ein Kapitel ist damit meist nicht länger als zwei Seiten.
Die Spannung geht in diesem Roman sicherlich nicht von plot oder Protagonist aus. Das Interesse wird vielmehr dadurch geweckt, wie Wagner an dieses "einfache" Thema herangeht und mit welcher Leichtigkeit er die philosophische Komponente des Themas herausarbeitet. Der Protagonist ist hierbei nur mittel zum Zweck, bleibt aber durch die Ich-Perspektive (der Leser erfährt seine Gedanken und Erinnerungen) nicht schattenhaft. Vielmehr tut er einem sogar teilweise Leid, wenn ihn dieses oder jenes Lebensmittel an seine vergangene Liebe erinnert...
Wagners Schreibstil ist sehr eingängig und der Lesefluss wird durch die Fußnoten meiner Meinung nach nicht gestört. Wagners Beobachtungsgabe zeigt sich in vielen kleinen Details der Geschichte und manchmal hatte ich auch das Gefühl, der Autor würde mir mit einem Schmunzeln zuzwinkern...


FAZIT
Ein beeindruckendes Buch welches seinen Platz auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2009 sicherlich zu Recht bekam. Ein einfaches Thema innovativ und kurzweilig dargestellt. Auch wenn das Buch "nur" 160 Seiten hat - diese Investition lohnt sich!






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Das Cover entstammt den Pressematerialien der Rowohlt Verlagsseite

Donnerstag, 23. Dezember 2010

Sebastian Faulks - Birdsong




AUTOR Chloe Aridjis | GENRE Historischer Roman
ERSCHEINUNGSJAHR 1993 | SPRACHE Englisch
VERLAG Vintage | SEITEN 528 | PREIS € 9,99 (TB, englische Ausgabe)

[Die deutsche Ausgabe mit dem Titel Gesang vom Großen Feuer ist momentan vergriffen.]


Kurzbeschreibung (original):
Set before and during the Great War, Birdsong captures the drama of that era on both a national and a personal scale. It is the story of Stephen, a young Englishman, who arrives in Amiens in 1910. Over the course of the novel he suffers a series of traumatic experiences, from the clandestine love affair that tears apart the family with whom he lives, to the unprecendeted experience of the war itself.

Kurzbeschreibung (deutsch, amazon.de):
Der Roman schildert das Schicksal des Engländers Stephen Wraysford während des Ersten Weltkriegs. Er ist Leutnant und liegt mit seiner Einheit in Frankreich an der Somme, wo er eine der größten Schlachten dieses Krieges miterlebt. Unvermutet wechselt dann der Schauplatz der Handlung von den Schlachtfeldern Flanderns in das England des Jahres 1978. Aus Anlaß des 60. Jahrestags des Waffenstillstands beginnt eine junge Frau, Nachforschungen über ihren Großvater Stephen anzustellen, der an dem schrecklichen Kriegsgeschehen beteiligt war.


Inhalt:
Stephen Wraysford ist ein junger Engländer, der 1910 nach Amiens in Frankreich reist, um vom Großindustriellen Rene Azaire mehr über Wirtschaft, Handel und Firmengeschäfte zu lernen. Er wohnt bei den Azaires zu Hause und entwickelt eine Freundschaft zu Azaire's Frau Isabelle.

1916. Wir befinden uns mitten im ersten Weltkrieg. Stephen ist mittlerweile Lieutenant in der Britischen Armee. Der Leser erfährt von den Lebensbedingungen im Krieg, von furchtbaren Schlachten und dem Einfluss des Krieges auf die Psyche der Soldaten.

1978. Ein zweiter Handlungsstrang beginnt. Der Krieg ist 60 Jahre vorbei. Die junge Frau Elisabeth, von ihrem bisherigen Leben teilweise frustriert und enttäuscht, stellt Nachforschungen an: Wie hat ihr Großvater zur Zeit des 1. Weltkrieges gelebt?

In insgesamt 7 Abschnitten, die abwechselnd im Krieg und 1978/79 spielen, zeichnet Faulks das Bild eines furchtbaren Krieges und seines (geringen?) Einflusses auf die Nachwelt.


Rezension:
Dies ist eindeutig ein Buch, was wahrscheinlich eher durch Aufmachung und Konzeption als durch Themenwahl besticht. Ein allwissender Erzähler führt uns durch die verschiedenen Zeiten, meistens aus Sicht von Stephen oder Elisabeth. Der Schreibstil ist weder poetisch noch sachlich. Faulks hat es geschafft, den Leser zu fesseln, ohne zu nüchtern oder zu emotionsgeladen zu schreiben.
Das Thema - der 1. Weltkrieg - ist meiner Meinung sehr authentisch dargestellt, wenn auch natürlich nicht vollständig oder in allen Aspekten. So fehlen zum Beispiel die ersten beiden Kriegsjahre in der Schilderung genau wie das Ausmaß der Gas-Attacken. Es wurden dennoch sehr viele unterschiedliche Aspekte des Krieges mit in die Handlung hinein gebracht und man merkt, dass Faulks fundiert für diesen Roman recherchiert hat.
Der Leser wird von Thema des Buches nicht zu sehr "erdrückt". Dies liegt meiner Meinung nach an der Idee mit den zwei Zeitebenen (1916/17/18 - 1978/79). Neben der Schilderung vieler Kriegsereignisse hat Faulks viel Wert auf Dialoge gelegt und man kann sich Situationen und Charaktere bildlich vorstellen. Die Spannung kommt auch bei dieser Geschichte nicht zu kurz - man will natürlich wissen, ob Protagonist Stephen es schafft, zu überleben.
Dies ist ein Buch mit vielen starken Aspekten - Figurengestaltung, Zeitgestaltung und die generelle Aufarbeitung des Themas sind sehr überzeugend. Faulks hat es geschafft, eine Balance zwischen der Härte des Krieges und einer Emotionalität zu schaffen, ohne den Leser zu ermüden. Auch das Ende ist für mich sehr gelungen. Allein Elisabeths Motivation, mehr über den Krieg herauszufinden, fand ich teilweise nicht recht nachvollziehbar.

Fazit:
Tolles Buch mit historischem Thema – spannend, emotional, aber auch informierend und nachdenklich stimmend. Faulks hat eine authentische Schilderung des 1. Weltkrieges geschaffen, die er mit persönlichen Geschichten verknüpfen konnte und die somit den Leser fesseln. Unbedingt lesenswert!

Anmerkung:
Ich habe dieses Buch auf Englisch gelesen. Eine deutsche Ausgabe ist unter dem (leider schlechten und unpassendem) Titel "Gesang vom großen Feuer" erschienen. Leider scheint die letzte Ausgabe gerade vergriffen. Für die englische Ausgabe sind gute bis sehr gute Englischkenntnisse erforderlich, da viel fachbezogenes Vokabular auftaucht.
Generell aber ein sehr lesenswerter Roman - das Buch hat es unter die Top 20 der beliebtesten Bücher der Briten geschafft und gilt im UK als must-read!


Mittwoch, 22. Dezember 2010

Ich lese gerade...

Nachdem ja in letzter Zeit so viele von dem Buch geschwärmt haben und ich eh noch ein Buch gesucht habe, um mich ein wenig auf Weihnachten und die Feiertage einzustimmen, war in heute in meiner Lieblingsbuchhandlung in der Heimatstadt und es durfte mit nach Hause und wird heute (gerade auf Seite 64) und morgen gelesen:


"Julia ist neidisch, dass ihr kleiner Bruder Olli einen mit Schokolade gefüllten Adventskalender bekommen hat und sie nur einen aus Papier. Aber das auf ihrem Kalender abgebildete Haus glitzert so silbrig und geheimnisvoll, dass Julia der Versuchung nicht widerstehen kann und das erste Fenster des Kalenderhauses öffnet. Da bemerkt Julia, dass das Haus bewohnt ist und sie die Menschen, die darin leben, besuchen kann. Ein ungewöhnliches Abenteuer beginnt..."


Cover von Buecher.de


Freitag, 17. Dezember 2010

Freitags-Füller #14

Letzter Arbeitstag heute. Gute Stimmung. Everybody's cheerful. Freitagsfüller von Barbara!
(fettgedruckt = meine Antworten)






1. Röhre in Stiefeln habe ich diesen Winter noch nicht getragen - lieber Rock mit Stiefeln =) .

2. Gestern lagen ganz viele Knallbonbons auf dem Tisch!

3. Wenn ich 3 Tage eingeschneit wäre könnte ich endlich mal einen Teil meines SuBs abbauen...

4. Englische Carols ist sind mein Favorit bei Weihnachtsmusik.

5. Nur noch eine Woche bis Weihnachten und mir fehlen noch ein paar Geschenke.

6. Ich habe genug von meiner blöden Erkältung...

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf ein gutes Buch zur späten Stunde , morgen habe ich exzessives Shopping geplant und Sonntag möchte ich den letzten Adventssonntag genießen !

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Christmas 2.0

Habe ich heute auf YT gefunden. Einige von euch werden es wohl schon kennen...den anderen viel Spaß beim Anschauen!



Idee und Umsetzung stammt von ViralVideosNr1 auf YT!

Freitag, 10. Dezember 2010

Freitags-Füller #13

Diese Woche ist an mir vorbei gerast wie keine andere in der letzten Zeit - noch eine Woche arbeiten und die Weihnachtsferien stehen vor der Tür. (Noch 11 Tage und ich bin wieder in Deutschland - krass.)
Gerade noch rechtzeitig habe ich an den Freitags-Füller gedacht!
Das Original könnt ihr wie immer bei Barbara sehen.
(fettgedruckt = meine Antworten)





1. Im Allgemeinen finde ich den Schnee eigentlich nicht schlecht .

2. Die Ideen habe ich schon für Weihnachtsgeschenke in diesem Jahr ...jetzt muss ich nur noch schauen, wo ich die Sachen besorgen kann...

3. Bei diesem Wetter brauche ich jeden Tag rutschfeste Schuhe - denn hier in England wird ja nicht gestreut...

4. Die vielen Proben für das Krippenspiel , das erinnert mich sehr an Weihnachten in meiner Kindheit =)

5. Mein Auto ist ein theoretischer Ausdruck, der vielleicht in 10 Jahren mal Realität wird .

6. Jeder Tag vergeht zu schnell !

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf ein paar Seiten in Birdsong , morgen habe ich einen Ausflug in die Yorkshire Dales geplant und Sonntag möchte ich den lokalen Weihnachtsmarkt besuchen !

Freitag, 3. Dezember 2010

"Stuck in Snowhere"

What a snow storm in Leeds on Wednesday! I wish I had taken more pictures of the chaos....




In Skipton, the situation was not as bad. And it actually looks quite pretty with all the snow: