Samstag, 12. November 2016

Denn das Auge liest mit... oder: Warum ich mich nun doch für die Büchergilde entschieden habe

Als bibliophiler Mensch zelebriert man schöne Bücher. Früher wohl eher, indem man sie mit dem Cover nach vorn im Regal platzierte, heute vor allem auch in den Sozialen Medien. Auf Instragram findet man allein unter dem Hashtag #bücherliebe über 125.000 Bilder. Das Interesse an dem haptischen Produkt Buch scheint ungebrochen. Wenn es von einem Buch mehrere Ausgaben gibt, überlege ich vor dem Kauf, welche Ausgabe mir persönlich am meisten zusagt.


Warum es von einem Buch verschiedene Ausgaben gibt, kann ganz unterschiedliche Gründe haben:  Das Taschenbuch ist bei einem anderen Verlag erschienen als die gebundene Ausgabe, ein Verlag relauncht ein älteres Werk seines Programms, Werke werden gemeinfrei und können von verschiedenen Verlagen mit unterschiedlicher Gestaltung herausgebracht werden. 
Die Büchergilde nimmt hier einen besonderen Platz ein, denn ihre Vorgehensweise ist, dass sie Lizenzen beliebter und erfolgreicher Titel einkauft, um diese Titel in hoher herstellerischer Qualität und meist mit besonderer Ausstattung noch einmal neu herauszubringen.


Mir ist die Büchergilde bereits länger ein Begriff und ich habe schon mehrfach überlegt, ihr beizutreten, um dadurch die Möglichkeit zu haben, besondere Ausgaben von Büchern zu erwerben, und dabei aber einen ähnlichen Preis wie im Buchhandel zu zahlen. Natürlich unterliegt Gestaltung aber einem sehr subjektivem Empfinden und nicht jeder empfindet das Gleiche als schön. Zudem hat Tilman von 54Books vor 1,5 Jahren einen Blogpost über die Büchergilde geschrieben, der mich sehr zum Nachdenken gebracht hat, denn die Kritik, die er äußert, ist sehr verständlich.



Auf der Buchmesse in Frankfurt nun hatte ich zum ersten Mal die Möglichkeit, die Bücher der Büchergilde in die Hand zu nehmen und in einige hineinzublättern. Und ich musste zugeben, noch immer gefallen mir nicht alle Ausgaben, die die Büchergilde produziert, aber doch eine gewisse Anzahl. Und als mich die Mitarbeiterin am Stand darauf hinwies, dass Neumitglieder quasi als Willkommensgeschenk 2 neue Bücher für 5€ bekommen, da dachte ich: Okay, ich probiere das jetzt mal aus. Denn über Dinge zu urteilen, die man selbst nicht kennt / nicht gemacht hat, ist ja sowieso eine fragwürdige Einstellung.



Also habe ich mich auf der Messe für zwei Bücher entschiedenen. Die Gestaltung von Das geheime Leben der Bäume hat mich zur Mitgliedschaft bewogen, und das Burger Unser als Willkommensgeschenk zum quasi-Schnäppchenpreis zu bestellen, freute den Geldbeutel. Das Burger Unser ist übrigens ein Beispiel dafür, dass die Büchergilde auch Originalausgaben anderer Verlage vertreibt, ohne diese neu aufzulegen.


Innerhalb weniger Tage hatte ich meine Bestellung sowie das aktuelle Quartalsheft daheim. Als Mitglied der Büchergilde verpflichtet ihr euch quasi, pro Quartal einen Kauf bei der Büchergilde zu tätigen (egal in welcher Höhe, und egal ob Buch, Film, Hörbuch Musik oder Nonbook). Und seien wir ehrlich: alle drei Monate ein Hardcover für 15 bis 20€ zu kaufen, das passiert mir so oder so. Warum dann nicht in besonderer Ausgabe? Zudem kaufe ich gehypte oder gar Bestseller selten direkt nach Erscheinen, sodass ich mit dem späteren Erscheinungsdatum bei den Büchergilde-Ausgaben auch kein Problem habe.


Meinen Quartalskauf für 04/2016 habe ich nun also getätigt, bis März habe ich nun Zeit für die nächste Bestellung. Die Büchergilde hat übrigens auch über 80 Partnerbuchhandlungen, in denen man sich viele Ausgaben vor Ort anschauen/kaufen kann. Leider liegt keine davon in meiner unmittelbaren Umgebung, sodass mir hier nur der Online-Kauf bleibt. Um mir die Entscheidung zu erleichtern, und um euch vielleicht noch ein bisschen neugierig zu machen, hier eine Verlags- und Büchergildenausgaben im direkten Vergleich:

Büchergilde (18,95)   ||   Diogenes (22,00)

Büchergilde (15,95)   ||   Aufbau/Blumenbar (18,00)

 Büchergilde (18,95)   ||   Hanser (21,90)

 Büchergilde (32,00)   ||    Hanser (39,90)

Ich muss aber auch zugeben, dass es einige Covergestaltungen der Büchergilde-Ausgaben gibt, die mir nicht zusagen und mir dementsprechend dort die Originalausgabe besser gefällt:

Büchergilde (17,95)   ||   Luchterhand (19,99)

Büchergilde (19,95)   ||   Hanser (24,90)


Seid ihr Mitglied in der Büchergilde? Oder steht ihr dem eher skeptisch gegenüber? Wie wichtig ist euch die Gestaltung eines Buches? Ich bin gespannt auf eure Antworten und vielleicht habt ihr ja noch den ein oder anderen Tipp für mich, was besondere / bibliophile Ausgaben betrifft!

*Ich werde übrigens von der Büchergilde in keinster Weise gesponsert oder dergleichen. Ich hatte einfach nur Lust, einen ausführlichen Artikel über deren Programm zu schreiben...

Kommentare:

  1. Yep seit gefühlten 100 Jahren Mitglied der Büchergilde. Ich mag schöne Bücher, unsere Definition von schön geht gelegentlich etwas auseinander, die Büchergilde mag es häufig sehr viel bunter als ich, aber bislang haben wir noch immer zueinander gefunden.

    Da ich überwiegend Anglo-Amerikanische Literatur im Original lese, werde ich regelmässig Opfer der Ausgaben der Folio Society, sozusagen das Pendant zur Büchergilde in UK, die mit der Büchergilde kooperieren. Die gefallen mir meist einen Ticken besser, sind aber richtig fett teuer. Die wünscht man sich am besten zu Weihnachten oder zum Geburtstag.

    Hier habe ich mal was zur Büchergilde geschrieben vor längerer Zeit:
    https://bingereader.org/2014/09/21/90-jahre-buchergilde/

    Willkommen in der Büchergilde :)

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    1. Ich habe auch schon gemerkt, dass die Definition von 'schön' natürlich sehr weit gefächert ist. Aber das ist ja auch gut so, wenn man bedenkt, dass sich persönlicher Geschmack ja auch ändern kann und die Büchergilde es natürlich dem Gros ihrer Kunden recht machen will (muss).

      Die Folio Ausgaben sind natürlich eine Klasse für sich, aber ich finde, wenn man gern auf Englisch liest, sind die Penguin Clothbound Classics eine schöne Alternative. Oder, wenn man es bunt mag, die Word Cloud Classics Ausgaben!

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  2. Ich bin auch definitiv jemand, der schöne Bücher liebt und immer auf der Suche nach schönen Ausgaben ist. Ich bin auch über die Büchergilde gestolpert und habe auch darüber nachgedacht mich dort anzumelden, weil es dort auch die tollen englischen Ausgaben gibt. Allerdings ist es für Studenten nicht sonderlich vorteilhaft, wenn man tatsächlich immer ein Buch (zwar "nur" alle drei Monate) kaufen muss. Daher werde ich das wohl noch um einige Zeit aufschieben, aber ich werde es im Hinterkopf behalten, denn es sind wirklich tolle Ausgaben dabei für Leser, die nicht NUR auf den Inhalt achten. : )


    Liebe Grüße
    Karin

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    1. Liebe Karin,
      als Student hätte ich mir eine Mitgliedschaft wahrscheinlich auch nicht gegönnt. Es ist ja auch eine gewisse Verpflichtung. Für mich war das genau jetzt eine gute Entscheidung, auch weil ich weniger in der Anzahl und mehr in der Qualität kaufen möchte.
      Die Büchergilde wirds ja bestimmt noch ein paar Jährchen geben ;-)

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